Jahreskonzert 2023
Und schon sind wir von der Zukunft in die Vergangenheit und wieder zurück gereist! Unsere musikalische Zeitreise haben wir mit viel "Blech und Algorithmus" (oder eher Algorhythmus?) in Angriff genommen und sind wieder gut gelandet...
Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Ihnen, wertes Publikum, für Ihre Unterstützung bedanken! Und ein spezieller Dank geht an die vielen helfenden Hände und die grosszügigen Sponsoren!
Danke Markus Jelk für die schönen "Reisefotos"!
Musikalisch durch die Jahrhunderte
Das Jahreskonzert des Musikvereins Hedingen stand unter dem Motto «Zeitreise»
Der Musikverein Hedingen lud am vergangenen Wochenende zum Jahreskonzert. Das attraktive Programm wollte sich offenbar ganz Hedingen nicht entgehen lassen, am Samstagabend war der Schachensaal voll.
VON CHRISTINE HÄUSERMANN
Ein grossartiges Konzertmotto verlangt nach grossartiger Musik. Der Musikverein Hedingen präsentiert dem Publikum viele Kompositionen, denen es nicht an Pathos mangelt. Auftakt macht Steven Reinekes «Where eagles soar», die Holzregister beschleunigen auf Windstärke sechs, das Blech nimmt Fahrt auf, genügend Aufwind also für kreisende Adler im weiten Himmel. Bei «Mount Everest» packt Komponist Rossano Galante seine Heldenverehrung für Alpinisten in der Todeszone in Musik. «The Exodus Song», Filmmusik arrangiert von Johan de Meij, folgt dem episch dramatischen Musikstil. Die Klarinetten gefallen mit sauber gespielten, rasanten Klangläufen im Dialog mit dem grossen Blech, das den dunklen, schicksalsschwangeren Counterpart übernimmt.
Beim «Aladdin Medley» von Alan Menken wartet man vergebens auf orientalische Klänge, dafür lässt der Komponist in dieser Disney-Filmmusik den mittelalterlichen Aladin Charleston tanzen. Im langsamen zweiten Satz kommen aber die Register einzeln schön zur Geltung und im interessanten dritten sorgen insbesondere Holz, Schlagwerk und spritziges kleines Blech für Glanzpunkte. Dirigent Jürgen Röhrig und das Orchester sind seit Jahren ein eingespieltes Team, die vielen Proben zahlen sich aus.
Favorit von Hedingens First Lady und Marschmusik-Liebhaberin Jacqueline Fornaro war im ersten Teil des Konzerts der schmissige Marsch «Olympica» von Giovanni Orsomando. Der Blasmusikexperte am Tisch hingegen schwärmt geradezu von den zurückhaltenden, sehr präzis eingesetzten Bässen in «Feria de Julio» von Fernando Bonete Piqueras – spanische Musik komponiert für das Blumenfest von Valencia.
Funktionierende Dorfgemeinschaft
In der Pause rollen die Losverkäufer den Saal von hinten auf. Aber bloss keine Aufregung, auch vorne reicht es noch zum einen oder anderen Hauptgewinn. Leer geht in Hedingen niemand aus, da jedes Los gewinnt und sei es bloss das «Schöggeli», auf dem die Losnummer klebt. Passend zur Zeitreise steht «Riz Casimir» auf dem Speisezettel, das Retro-Menu findet Anklang, es ist bereits vor Konzertbeginn ausverkauft. Auch dieses Jahr kann der Musikverein wieder auf die Hilfe befreundeter Vereine und weiterer Helfender zählen. Auch eine Delegation des Gemeinderats lässt sich den Anlass nicht entgehen.
Auf der Leinwand neben der Bühne werden Bilder zur Musik projiziert und anhand einer imaginären Spielmaschine die Jahreszahl für das nächste Musikstück ermittelt. Als Reiseleiter der Zeitreise führt Peter Lanzendörfer amüsant durch das Programm. Er überrascht mit persönlichen Geschichten, so sass er 1985 mit dem Göttibub im Kino und sah sich den Film «Back to the Future» an. Bei dieser Filmmusik arrangiert von Juri Briat übernimmt Vizedirigentin Monika Raschle den Taktstock. Das grosse Blech liefert verlässlich den satten dunklen Klangteppich, auf dem die helleren Instrumente eine perfekte Bühne haben.
Die Publikumslieblinge: Melancholie und Rock
Die Favoriten des Publikums waren auf dem Zeitstrahl etwa 1664 und 1971 einzuordnen. Das Guggisberglied, im gelungenen Arrangement von Thomas Rüedi, ist so berührend schön, dass man es sich bei jedem Konzert anhören möchte. Ausserdem kommen die Solistinnen der gefühlvollen Töne zum Zug: An der Oboe Andrea Keller und auf der Flöte Jacqueline Graf. 1971 aber wird es rau, Schlagzeug und Blech sorgen für heissen Sound, es ist die Sternstunde des Saxofonregisters und der beiden groovenden Solisten Markus Guler und Michael Graber. Die vielen «Deep Purple»-Fans im Saal verlangen eine Zugabe.
Der wunderbare «Klezmer Karneval» von Philip Sparke ist ein weiterer Höhepunkt des Konzerts, rasante Musik mit viel Tempowechsel, traurig und fröhlich zugleich. Die Perkussion tanzt über das Xylofon, orientalische Klarinetten intonieren das Heimweh der Juden nach dem Heiligen Land. Mit zwei Zugaben verabschiedet sich der Musikverein Hedingen. «William Tell», der RossiniMarsch arrangiert von Robert Allmend, eine schöne Musikwahl für das ganze Orchester, bei dem die Perkussion besonders lockere Handgelenke braucht. Und schliesslich bringt die Zeitmaschine alle mit einem Liebeslied wieder ins Jahr 2023 zurück.